Mittwoch, 4. Juni 2008 16:57
Ist ein wahres Kunstwerk, sowohl äußerlich, also von der Aufmachung (habe die gebundene Ausgabe gelesen) her, als auch von der Geschichte. Es ist aber keinesfalls ein Buch, das man auf einmal und an einem Stück durchlesen kann.
Das ganze Buch über gibt es an sich drei Erzähler: Will Navidson, Jony Truant und Zampano, die sich gegenseitig ergänzen, zitieren und auf Quellen verweisen. Geht man diesen Quellen nach, verirrt man sich in vielerlei Richtungen, ein paar davon existieren wirklich, andere sind nur zur Wahrung des Scheins aufgenommen worden. Jeder dieser Autoren hat eine eigene Schriftart, an denen man sie auseinander halten kann, und jeder dieser Autoren bringt seine eigene Geschichte irgendwie mit ein. […]
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Mittwoch, 4. Juni 2008 16:23
Das Bildnis des Dorian Gray ist ein wirklich schönes und bewegendes Buch. Es handelt von einem jungen Mann, Dorian Gray, der immer wieder als Art unbeschriebenes Blatt dargestellt wird und sehr wissbegierig ist. Ein Künstler mit Namen Basil Hallward, der einen Freund darstellt, will die absolute Schönheit dieses Mannes als sein Meisterwerk malen, die Jugend einfangen.
Bei der letzten Sitzung dieses Bildes wird Dorian sein zukünftiger bester Freund Lord Henry Wotton vorgestellt, der alsbald beginnt, Dorians Wissensdurst mit allerlei Theorien und Ansichten über das Leben und den Tod, die Gesellschaft und die Frauen zu stillen, wovon dieser nicht genug bekommen kann. […]
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Montag, 2. Juni 2008 21:53
(Geschrieben 1928-40, erschienen 1966/67; Übersetzung von Thomas Reschke)
Obwohl der Plot sich gegen Ende des Buches irgendwie verliert, zieht das Buch den Leser über Hunderte von Seiten wie eine Lokomotive. Der Teufel kommt mit seinen Gehilfen in den 1920er Jahren nach Moskau und treibt allerlei bösen Schabernack mit der Einfältigkeit und dem Egoismus der Menschen. Moskau versinkt im Chaos. Nur der Meister, ein in der Irrenanstalt einsitzender armer Schriftsteller, dessen Pilatus-und-Jesus-Roman in das Buch eingestreut ist, und Margarita, seine verheiratete Geliebte, widerstehen dem wahnsinnigen Treiben. Ein rasantes Buch voller Ideen, Sprachwitz und skurriler Einfälle. Einer der besten (phantastischen) Romane überhaupt.
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Samstag, 19. April 2008 10:25
Während der Vater an einem Gehirntumor stirbt, wird der Sohn zum Krankenpfleger und Seelsorger. In eindruckvoller Weise beschreibt Philip Roth die Geschichte seines Vaters, der alt, krank und auch hilflos wird. Die Gefühle und Gedanken, die den Sohn in dieser Zeit bewegen, werden verwoben mit der Geschichte seiner Familie, die als jüdische Einwanderer Anfang des Jahrhunderts nach Amerika gekommen waren. […]
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Samstag, 19. April 2008 10:19
(Erschienen 2006)
Das neueste Buch von Ransmayr ist die Geschichte zweier irischer Brüder, die sich in die Gebirge Tibets aufmachen, um den fliegenden Berg zu erobern, den letzten weißen Fleck auf der Landkarte. Die Geschichte verbindet die Höhen der tibetanischen Gebirgszüge mit den Wellen des irischen Meeres. Sie erzählt in einer außergewöhnlich ausdrucksstarken Sprache vom ewigen Schnee und der Gefahr in den Bergen sowie der Wanderschaft und dem Kosmos tibetanischer Nomaden in dieser Gebirgswelt. Ein Abenteuerbuch über die Beziehung zweier ungleicher Brüder, die sich dennoch auf eine gemeinsame Reise begeben und dort sich selbst, der Liebe und dem Tod begegnen.
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Dienstag, 8. April 2008 12:24
(Erschienen 1938, Übersetzung von Linde Birk)
Was macht jemand, dessen bürgerliche Existenz von einer Minute auf die andere vernichtet wird?
Kees Popinga, 40, Prokurist, verheiratet und Vater zweier Kinder, sieht zufällig eines Abends den Chef seiner Firma in einer anrüchigen Kneipe, geht ungläubig hinein und erfährt, dass die Firma pleite ist, der Chef sich mit dem verbliebenen Geld absetzt und er selber ein miserabler Prokurist ist, da er überhaupt nichts bemerkt hat. Das war’s. […]
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Sonntag, 30. März 2008 23:57
(Erschienen 2007)
Der Schriftsteller Sebastian Lukasser wird von seinem Patenonkel Carl Jacob Candoris, einem emeritierten Mathematikprofessor und sehr reichen Mann, kurz vor dessen Tod zu sich gerufen und gebeten, dessen Leben nachzuerzählen. Dies tut er, und eingebettet darin erzählt Lukasser seinem Patenonkel und dem Leser gleich auch noch seine eigene Geschichte und die seiner Familie, alles unterfüttert mit der (Kultur- und Geistes-)Geschichte des 20. Jahrhunderts auf 776 Seiten.
Candoris, Spross einer reichen österreichisch-ungarischen Kaufmannsfamilie und exzellenter Mathematiker, verkehrt mit der Creme de la Creme der mathematischen Zunft in Göttingen Anfang der 20er, […]
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Donnerstag, 6. März 2008 22:21
(Erschienen 1981. Deutsch: Lanark. Ein Leben in vier Büchern)
Ein Buch, das ich bereits vor einiger Zeit gelesen habe. Aufgrund des starken und verstörenden Eindrucks, den es bei mir hinterlassen hat, drängt es sich auf diesen Blog und will empfohlen werden. Also:
Düstere Utopie mit phantastischen Elementen, nichts für schwache Nerven. Üblicherweise scheitern die Rezensenten daran, eine kurze Inhaltsangabe zu geben. Ein paar Anhaltspunkte: Beginnt mit dem dritten statt mit dem ersten von vier Büchern (in einem Band) in der endzeitlichen Stadt Unthank ohne Tageslicht und Arbeit, führt weiter in eine menschengemachte Unterwelt, in der das „Institut“ von der rätselhaften „Drachenhaut-Krankheit“ Befallene zu retten versucht, bei den hoffnungslosen Fällen jedoch den Verlauf der Krankheit abwartet, weil das Ende in einer Explosion besteht, bei der verwertbare Energie und Nahrung freigesetzt wird. […]
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Mittwoch, 27. Februar 2008 17:29
Ein wirklich witzig geschriebenes Sammelsurium-Büchlein (ok, von der Dicke her ist es ein Buch, aber der Stöberfaktor macht es zu einem Büchlein, das sich Kapitel, oder Abschnittsweise lesen lässt) in dem alle wirklich wichtigen Lebensweisheiten von und für Männer drin stehen. […]
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Montag, 25. Februar 2008 21:04
(Erschienen ab 1930)
„Stil ist für mich exakte formulierung eines gedankens.“ (Musil)
Diese exaktheit hat er mit einer, sowohl was hartnäckigkeit als auch wortgewandtheit betrifft, bewundernswerten akribie zu erlangen gesucht.
„Exaktheit des gefühls“, „exakte phantasie“: Mit all dieser exaktheit macht Musil nicht etwa „dem“ gefühl den garaus, im gegenteil erzeugt er ein dichtes gefühlsgewebe, das nicht im nebulösen verschwimmt, sondern sich exakt aus einzelnen passagen des textes herleitet.
Es geht um stimmungen und gefühlszustände und darum, ob diese „anderen zustände“ bruchstücke oder auch sendboten einer anderen existenzweise sind, bei der „sein“ und „in allem sein“ ein und dasselbe ist.
Zustand – ein paradoxes wort, da es suggeriert, etwas könne der zeit nicht unterliegen. Zustände ändern sich jedoch laufend; verbunden, ob zu recht oder zu unrecht, werden sie mit dem wörtchen „und“. Die schilderung eines zeitlosen zustands müsste auf dieses wort verzichten, das auch völlig zusammenhangloses und gegensätze miteinander verbindet. Es fragt sich, wie das zeitgebundene medium literatur gleichzeitigkeit nicht nur beschwören, sondern tatsächlich darstellen kann. Oder geht es nicht um zeitlose zustände, besser: vollkommen gleichzeitiges erleben?
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