Alasdair Gray, Lanark: A Life in 4 Books

(Erschienen 1981. Deutsch: Lanark. Ein Leben in vier Büchern)

Ein Buch, das ich bereits vor einiger Zeit gelesen habe. Aufgrund des starken und verstörenden Eindrucks, den es bei mir hinterlassen hat, drängt es sich auf diesen Blog und will empfohlen werden. Also:
Düstere Utopie mit phantastischen Elementen, nichts für schwache Nerven. Üblicherweise scheitern die Rezensenten daran, eine kurze Inhaltsangabe zu geben. Ein paar Anhaltspunkte: Beginnt mit dem dritten statt mit dem ersten von vier Büchern (in einem Band) in der endzeitlichen Stadt Unthank ohne Tageslicht und Arbeit, führt weiter in eine menschengemachte Unterwelt, in der das „Institut“ von der rätselhaften „Drachenhaut-Krankheit“ Befallene zu retten versucht, bei den hoffnungslosen Fällen jedoch den Verlauf der Krankheit abwartet, weil das Ende in einer Explosion besteht, bei der verwertbare Energie und Nahrung freigesetzt wird. Das Orakel, das er nach seiner eigenen Vergangenheit befragt, erzählt Lanark die Geschichte von Duncan Thaw, einem einzelgängerischen Glasgower Arbeiterjungen, der trotz Armut und Krankheit unbedingt Künstler werden will. Das sind die Bücher 1 und 2, die von einem sozialkritischen Realismus und starken autobiographischen Zügen getragen sind. Sie spielen in Glasgow unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und beschreiben das harte Leben der Arbeiter und Jugendlichen, diskutiert werden aber auch kunsthistorische Fragen. Das Buch 4 kehrt nach Unthank und in die Unterwelt zurück, in der sich das „Institut“ mit politisch-sozialen Unruhen konfrontiert sieht. Unthank steht vor dem endgültigen Kollaps, eine Umweltkatastrophe droht und es besteht die Gefahr, dass die Stadt von dem globalen Rat (der finanziert wird von der weltbeherrschenden „Verschwörung“) aufgegeben wird. Lanark wird als Bürgermeister zur großen Versammlung geschickt, um dies zu verhindern.
So in etwa.
Insbesondere die Kapitel 1 und 4 sind voller bizarrer, surrealer Ideen (Bilokation, Roboter in Menschengestalt, Reisen durch interkalendarische Zonen; bei einer anderen Krankheit entwickeln sich auf dem Körper der Kranken Münder, die unabhängig von dem Kranken reden). Typographische Elemente werden variiert, die einzelnen Bücher mit Grafiken des Autors eingeleitet, gegen Ende werden seitenlange irreführende Fußnoten eingestreut.

Eins der ganz wenigen Bücher, die ich irgendwann ein zweites Mal lesen werde.

P.S. Eine deutsche Ausgabe ist derzeit wohl nur antiquarisch aufzutreiben – leider.

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Datum: Donnerstag, 6. März 2008 22:21
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Ein Kommentar

  1. 1

    Mensch das hätte mich schon interessiert, nachdem ich auch das hier
    http://special.lib.gla.ac.uk/exhibns/month/may2002.html
    gesehen habe. Leider gibts das im Internet nirgends mehr aus Deutschland (bzw. zum unverständlichen Preis gebraucht zwischen 52.- und 130€)…

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