Autorenarchiv

Michail Bulgakow, Der Meister und Margarita

Montag, 2. Juni 2008 21:53

(Geschrieben 1928-40, erschienen 1966/67; Übersetzung von Thomas Reschke)

Obwohl der Plot sich gegen Ende des Buches irgendwie verliert, zieht das Buch den Leser über Hunderte von Seiten wie eine Lokomotive. Der Teufel kommt mit seinen Gehilfen in den 1920er Jahren nach Moskau und treibt allerlei bösen Schabernack mit der Einfältigkeit und dem Egoismus der Menschen. Moskau versinkt im Chaos. Nur der Meister, ein in der Irrenanstalt einsitzender armer Schriftsteller, dessen Pilatus-und-Jesus-Roman in das Buch eingestreut ist, und Margarita, seine verheiratete Geliebte, widerstehen dem wahnsinnigen Treiben. Ein rasantes Buch voller Ideen, Sprachwitz und skurriler Einfälle. Einer der besten (phantastischen) Romane überhaupt.

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Georges Simenon, Der Mann, der den Zügen nachsah

Dienstag, 8. April 2008 12:24

(Erschienen 1938, Übersetzung von Linde Birk)

Was macht jemand, dessen bürgerliche Existenz von einer Minute auf die andere vernichtet wird?
Kees Popinga, 40, Prokurist, verheiratet und Vater zweier Kinder, sieht zufällig eines Abends den Chef seiner Firma in einer anrüchigen Kneipe, geht ungläubig hinein und erfährt, dass die Firma pleite ist, der Chef sich mit dem verbliebenen Geld absetzt und er selber ein miserabler Prokurist ist, da er überhaupt nichts bemerkt hat. Das war’s. […]

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Michael Köhlmeier, Abendland

Sonntag, 30. März 2008 23:57

(Erschienen 2007)

Der Schriftsteller Sebastian Lukasser wird von seinem Patenonkel Carl Jacob Candoris, einem emeritierten Mathematikprofessor und sehr reichen Mann, kurz vor dessen Tod zu sich gerufen und gebeten, dessen Leben nachzuerzählen. Dies tut er, und eingebettet darin erzählt Lukasser seinem Patenonkel und dem Leser gleich auch noch seine eigene Geschichte und die seiner Familie, alles unterfüttert mit der (Kultur- und Geistes-)Geschichte des 20. Jahrhunderts auf 776 Seiten.
Candoris, Spross einer reichen österreichisch-ungarischen Kaufmannsfamilie und exzellenter Mathematiker, verkehrt mit der Creme de la Creme der mathematischen Zunft in Göttingen Anfang der 20er, […]

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Alasdair Gray, Lanark: A Life in 4 Books

Donnerstag, 6. März 2008 22:21

(Erschienen 1981. Deutsch: Lanark. Ein Leben in vier Büchern)

Ein Buch, das ich bereits vor einiger Zeit gelesen habe. Aufgrund des starken und verstörenden Eindrucks, den es bei mir hinterlassen hat, drängt es sich auf diesen Blog und will empfohlen werden. Also:
Düstere Utopie mit phantastischen Elementen, nichts für schwache Nerven. Üblicherweise scheitern die Rezensenten daran, eine kurze Inhaltsangabe zu geben. Ein paar Anhaltspunkte: Beginnt mit dem dritten statt mit dem ersten von vier Büchern (in einem Band) in der endzeitlichen Stadt Unthank ohne Tageslicht und Arbeit, führt weiter in eine menschengemachte Unterwelt, in der das „Institut“ von der rätselhaften „Drachenhaut-Krankheit“ Befallene zu retten versucht, bei den hoffnungslosen Fällen jedoch den Verlauf der Krankheit abwartet, weil das Ende in einer Explosion besteht, bei der verwertbare Energie und Nahrung freigesetzt wird. […]

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Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Montag, 25. Februar 2008 21:04

(Erschienen ab 1930)

„Stil ist für mich exakte formulierung eines gedankens.“ (Musil)
Diese exaktheit hat er mit einer, sowohl was hartnäckigkeit als auch wortgewandtheit betrifft, bewundernswerten akribie zu erlangen gesucht.
„Exaktheit des gefühls“, „exakte phantasie“: Mit all dieser exaktheit macht Musil nicht etwa „dem“ gefühl den garaus, im gegenteil erzeugt er ein dichtes gefühlsgewebe, das nicht im nebulösen verschwimmt, sondern sich exakt aus einzelnen passagen des textes herleitet.
Es geht um stimmungen und gefühlszustände und darum, ob diese „anderen zustände“ bruchstücke oder auch sendboten einer anderen existenzweise sind, bei der „sein“ und „in allem sein“ ein und dasselbe ist.
Zustand – ein paradoxes wort, da es suggeriert, etwas könne der zeit nicht unterliegen. Zustände ändern sich jedoch laufend; verbunden, ob zu recht oder zu unrecht, werden sie mit dem wörtchen „und“. Die schilderung eines zeitlosen zustands müsste auf dieses wort verzichten, das auch völlig zusammenhangloses und gegensätze miteinander verbindet. Es fragt sich, wie das zeitgebundene medium literatur gleichzeitigkeit nicht nur beschwören, sondern tatsächlich darstellen kann. Oder geht es nicht um zeitlose zustände, besser: vollkommen gleichzeitiges erleben?

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Antonio Tabucchi, Erklärt Pereira

Donnerstag, 7. Februar 2008 23:12

(Erschienen 1994, Übersetzung von Karin Fleischanderl)

Für Leute, die in samtweichem Tonfall eine Geschichte über das Leben und die Liebe, Alter und Jugend, Faschismus, Kultur und Mut zum Widerstand lesen möchten.

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Yasmina Khadra, Morituri

Donnerstag, 7. Februar 2008 23:01

(Erschienen 1997, Übersetzung von Bernd Ziermann und Regina Keil-Sagawe)

Für Leute, die harte, sozialkritische Krimis mögen und die die Schilderung des albtraumhaften Lebens in einem fremden Land (Algerien) nicht abschreckt.

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Die Horen Band 199, Lauter Vigoleisiaden

Donnerstag, 7. Februar 2008 22:54

(Erschienen 2000)

Für Leute, die gerne mal abseits der breiten Pfade lesen: amüsante, interessante und anregende Sammlung von Texten, Beiträgen, Fotos etc. zum Dichter Albert Vigoleis Thelen.

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Christoph Martin Wieland, Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva

Donnerstag, 7. Februar 2008 8:49

(Erschienen 1764)

Für Leute, die geistreiche, charmante und hochaktuelle Literatur des 18. Jahrhunderts schätzen können und sich und/oder anderen ein Lesevergnügen bereiten wollen. Vollständig lautet der Titel: „Der Sieg der Natur über die Schwärmerey, oder die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva, Eine Geschichte worinn alles Wunderbare natürlich zugeht.“

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Guy de Maupassant, Bel Ami

Montag, 4. Februar 2008 23:29

(Erschienen 1885, Übersetzung von Josef Halperin)

Guy de Maupassant beschreibt in „Bel Ami“ den Aufstieg des Georges Duroy vom Sohn verarmter Bauern zu „einem der Herren der Welt“. Für den Erfolg ist Duroy jedes Mittel recht, er intrigiert, manipuliert und instrumentalisiert, vorzugsweise die Liebe der Frauen.
Dabei ist Duroy kein Ausbund an Bösartigkeit, sondern nur ein besonders vorzeigbares Exemplar jener Gattung von Politikern, Finanziers, Bankiers und Emporkömmlingen, in deren Kreisen alles und jeder und jede dem Eigennutz untergeordnet wird. (Da wird auch schon mal die Invasion in ein nordafrikanisches Land eingefädelt, um den Wert der vorher gekauften Aktienpakete in die Höhe schnellen zu lassen.) Mitreißend und fesselnd zu lesen, wie Duroys fast schon krankhafter Geltungsdrang, gepaart mit Geldgier und Rücksichtlosigkeit, ihn für einen der ersten Posten der bürgerlichen Gesellschaft qualifiziert.
Maupassant beschreibt den gesellschaftlichen Aufstieg des Georges Duroy in einem Guss, mit Schwung und in einem Tempo, das vorwärtstreibt. Duroy wird nicht denunziert, er ist nicht nur Unsympath, und der Leser erwartet bang, dass ihn die gerechte Strafe vor allem dafür trifft, dass er so gemein zu den Frauen ist. Doch die Strafe bleibt aus, der Roman endet mit Duroys größtem Triumph. Spannend.

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