Mark Z. Danielewski, Das Haus

Ist ein wahres Kunstwerk, sowohl äußerlich, also von der Aufmachung (habe die gebundene Ausgabe gelesen) her, als auch von der Geschichte. Es ist aber keinesfalls ein Buch, das man auf einmal und an einem Stück durchlesen kann.

Das ganze Buch über gibt es an sich drei Erzähler: Will Navidson, Jony Truant und Zampano, die sich gegenseitig ergänzen, zitieren und auf Quellen verweisen. Geht man diesen Quellen nach, verirrt man sich in vielerlei Richtungen, ein paar davon existieren wirklich, andere sind nur zur Wahrung des Scheins aufgenommen worden. Jeder dieser Autoren hat eine eigene Schriftart, an denen man sie auseinander halten kann, und jeder dieser Autoren bringt seine eigene Geschichte irgendwie mit ein.

Die ganze Geschichte ist wie eine professionelle Arbeit geschrieben, immer sachlich, analysierend, mit wissenschaftlichen Thesen und Berechnungen hinterlegt und bewiesen, auf die Psychologie überprüft. Der Aufbau der einzelnen Seiten variiert sehr stark, es kommen Seiten vor, die bis auf einzelne Wörter total leer sind, darauf folgen Kapitel, die im normalen Schreibstil geschrieben wurden, die dann wieder in einem Stil ähnlich dem eines Wörterbuches verfasst sind. Es ist also sehr viel Abwechslung allein schon im Aufbau.

Auch vom Inhalt her ist es manchmal schön verwirrend und teilweise sehr gut ausgedehnt. Als Beispiel wird kapitellang das Echo erklärt, in der römischen Mythologie, in der griechischen Mythologie und schließlich wird noch ein Kapitel über die mathematische Berechnung und ein paar Theorien drangehängt, nur um dann beweisen zu können, dass es an dieser Stelle des Hauses überhaupt kein Echo geben dürfte…

Es handelt von Will Navidson, folglich Navy genannt und seiner Frau Karen Green, die, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, in ein altes Haus in der Ash Tree Lane ziehen. Genauer gesagt handelt es sich jedoch um den Navidson Record, einen Film, den Navy macht, um den Neuanfang in diesem Haus festzuhalten. Anfänglich läuft alles gut, bis jedoch unerklärliche Dinge passieren. Es entsteht ein neuer Zwischenraum zwischen dem Schlafzimmer der Eltern und dem der Kinder oder die Länge des Raumes innen ist auf einmal länger als die außen. Dann entsteht ein neuer Flur inmitten des Hauses, der in totaler Dunkelheit liegt.
Dieser Film ist schon der zweite, diesmal längere, davor gab es bereits den “5-Minuten-Flur”, der auch schon auf die extrem verquerten Zustände im Haus hinweist.

All diese Veränderungen zwingen Karen immer mehr in die Isolation, während sie das Interesse von Navy wecken, der, nachdem er sich das erste Mal in diesem Flur verirrte, in dem anscheinend keine Grenzen an Räumlichkeit herrschen, ein Team zusammenstellt, das diesen erforschen soll. Insgesamt werden vier Erkundungen gemacht, alles wird protokolliert und erfasst. Dieser Abschnitt des Hauses, der einer eigenen Welt gleicht, hat ganz andere Grundregeln, zum Beispiel sind die Mauern ständig in Bewegung, die Räume bauen sich alle paar Minuten von selbst um.

Hier bemerkt man immer mehr, was dies alles für Auswirkungen auf die einzelnen Personen hat, die immer wieder mit psychischen Ansätzen untersucht werden. Die letzte Erkundung wird jedoch zu einem Horrortrip, der in Isolation, Wahnsinn und Depression endet.

Die Geschichte von diesem Navidson Record, von Navy selbst und Karen und allen Anderen, die darin vorkommen, wird jedoch eigentlich von Zampano aufgeschrieben, einem alten Mann, der erblindet ist und sich, nachdem er jahrelang nach allen Hinweisen, Beweisen und Gegenbeweisen gesucht hat, in seiner Wohnung eingesperrt ist und schließlich in ihr gestorben ist.
Nachdem Jonny Truant in die Wohnung des Verstorbenen gelangt, und dieser eine Truhe mit den Inhalten entnimmt, beginnt er alle gesammelten Texte und Schriftstücke zu ordnen und zusammen zu schreiben, die Quellen zu bearbeiten. Und auch sein eigenes Leben fließt hier in Form von vielen Fußnoten wieder mit ein, sein eigener Wahnsinn, der beginnt, als er selbst zu viel Zeit mit diesem Thema verbringt.

Zudem schalten sich noch manchmal die Übersetzer ein, die etwas berichtigen oder auf weitere Quellen oder Hinweise gestoßen sind.

Hm. Es ist sehr schwierig über dieses Buch zu schreiben, weil es so viele Fassetten besitzt und so faszinierend geschrieben ist. Es verzweigt sich sehr ineinander und mischt alles mit allem.
Auf jeden Fall sehr sehr zu empfehlen! Sehr lesenswert!

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Autor: Robin Giesler
Datum: Wednesday, 4. June 2008 16:57
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Ein Kommentar

  1. 1

    Ich hatte es ja schon gesehen und fand es schon optisch interessant. Kann denn bei dieser wirren und verwirrenden Geschichte überhaupt so etwas wie eine Art Ende des Buches entstehen?

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